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Es werden Posts vom Oktober, 2026 angezeigt.

Nachlass eines verschwundenen Staates

  Der Schriftsteller Christoph Hein sagt im Interview zu seinem Roman „ Das Narrenschiff“ : „Von der DDR wird nichts bleiben. Sie wird vergessen werden wie die Bauernkriege“. Zu finden ist das Zitat auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung unter www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/561275/christoph-hein-die-ddr-war-ideologisch-wirtschaftlich-und-politisch-chancenlos/ .   Damit formuliert er einen Gedanken, der provoziert und gerade deshalb zum Nachdenken zwingt und ein wenig zum Widerspruch anregt. Hein, der Chronist ostdeutscher Lebenswelten, meint damit weniger das vollständige Verschwinden von Erinnerungen als das Ende eines Staates. Staaten sterben. Verfassungen verschwinden. Flaggen landen im Museum. Die DDR ist seit 1990 kein politisches Subjekt mehr. Sie besitzt keine Institutionen, keine Armee, keine Grenzen, keine Regierung. In diesem Sinn hat Hein recht. Die DDR ist untergegangen und zwar endgültig. Doch Staaten hinterlassen mehr als Archive. S...

Was gehen uns eigentlich die Sterne an?

  „Großes geht von den Sternen aus, sie heben uns empor über den Alltag, sie belehren uns über die Stellung des Menschen im Weltganzen, sie führen uns zu einer vertieften Betrachtung aller Erscheinungen der Natur und des Lebens und machen uns frei von engstirniger, kleinlicher Gesinnung.“ Bruno H. Bürgel Was gehen uns die Sterne an? Das ist eine berechtigte Frage. Schließlich sind die Sterne weit weg. Sehr weit sogar. Manche so weit, dass man beim Gedanken an die Entfernung unwillkürlich das Gefühl bekommt, die eigene tägliche Pendlerstrecke sei eigentlich gar nicht so schlimm. Außerdem haben wir genug zu tun. Rechnungen wollen bezahlt, E-Mails beantwortet, Rasen gemäht und Streaming-Abos gekündigt werden, die man seit drei Jahren nicht mehr nutzt. Und dann soll man nachts auch noch nach oben schauen? Bruno H. Bürgel, der große Berliner Astronom und Wissenschaftspublizist, hätte auf die Frage, ob uns die Sterne etwas angehen, vermutlich mit einem entschiedenen „Ja!“ geantw...

Wo bitte ist die Mitte?

Es gibt Orte, an denen man sich besonders sicher fühlt. Die Mitte einer Brücke zum Beispiel. Oder genau zwischen zwei herabfallenden Klavieren. In der Politik ist es ähnlich: Wer sich in der politischen Mitte verortet, steht grundsätzlich dort, wo es weder links noch rechts gefährlich wird. Die politische Mitte ist ein bemerkenswerter Ort. Niemand weiß genau, wo sie liegt, aber erstaunlich viele wohnen dort. Die Mitte ist ungefähr so präzise wie die Aussage: „Ich bin weder besonders groß noch besonders klein.“ Es sagt vor allem, wo man sich sprachlich nicht verorten möchte. Die Mitte hat nämlich einen entscheidenden Vorteil: Sie muss nicht erklären, was sie will. Es reicht, zu erklären, was sie nicht ist. Nicht links. Nicht rechts. Nicht extrem. Nicht ideologisch. Nicht unrealistisch. Übrig bleibt: die Mitte. Und die Mitte ist bekanntlich vernünftig. Das weiß man schon deshalb, weil sie es regelmäßig selbst betont. Die Geometrie der Vernunft Politische Debatten werden deshalb z...